von einem lieben Fahrgast, während der Fahrt gezeichnet

sollte jemand noch Bilder dazu haben - bitte höflich diese beizusteuern.

Illyrische und Keltische Gräber in Loretto

In den 1950iger Jahren fanden Ausgrabungen der Bgld. Landesregierung - Landesmuseum - in Loretto statt.
Dazu Bilder und Zeitungsberichte

Bericht aus Buch - oder Zeitung von 1951

Die Auswertung der 1950 bei der Ortschaft Loretto am Fuße des Leithagebirges (Burgenland) vorgenommenen Ausgrabungen ergibt eine Datierung der ältesten Funde ans der frühesten Bronzezeit, um etwa 2000 v. Chr. 40 Skelettgräber mit reichen Grabbeigaben, vor allem an Gefäßen von großem Formenreichtum, zeigen eine durchaus eigene, auf burgenländischem Boden entstandene Sonderform der in Spanien beheimateten sogenannten „Glockenbecherkultur“ . Aus der anschließenden Periode wie, der Wieselburger-Kultur die bisher als die älteste im Burgenland galt um 1800 v. Chr. datiert wird, wurde ein Grab mit einem ungewöhnlich geformten Grabstein und neun Grubenwohnungen gefunden. Der dritte, in Loretto vertretene Kulturkreis ist die mit den Illyrern im Zusammenhang stehende „Urnenfelderkultur“ aus der Zeit um 1000 v. Chr. Aus dieser Epoche wurden 28 Brandbestattungen, zwei Wohngruben und sechs Feuerstellen freigelegt. Außer seiner reichen Fülle von Bronzegegenständen wurden aus dem Gräberfeld von Loretto bis 110 vollständige Tongefäße restauriert. Das burgenländische Landesmuseum plant noch des Jahres 1951 die Grabung fortzusetzen, da man nach den bisheriger Ergebnissen weitere Funde erwartet.

Leiter Dr. Alois Ohrenberger

Dr Alois Ohrenberger

Arbeiter als Urgeschichts - Forscher

Zeitungsausschnitt aus den 1950iger Jahren

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Zeitungsausschnitt

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Der Vorname von Hr.Teuschler wurde berichtigt, denn im Artikel wurde irrtümlich Alois (nach Dr. Ohrenberger) verwendet.

Arbeiter als Urgeschichtsforscher

Wenn an den Hängen des Leithagebirges die Trauben reifen und die Felder abgeerntet sind, ist im Burgenland die Zeit der Archäologen gekommen, so im kleinen, am Leithagebirge gelegenen Loretto. Die ganze Umgebung ist seit undenklichen Zeiten ein einziges Gräberfeld, mit dessen Aufdeckung Dr. Alois Ohrenberger betraut wurde. Die dort gemachten Entdeckungen sind für die Erforschung der österreichischen Urgeschichte ebenso bedeutungsvoll wie jene von Carnuntum und dem Magdalensberg für die der Römerzeit.

An der Friedhofsmauer und an Kukuruzfeldern vorbei ist man bald im Grabungsgelände eines Ackerfeldes. Vier Arbeiter ziehen schmale Gräben und Dr. Ohrenberger sitzt mit seiner Schreibmaschine vor einer Kiste. Weiter unten geht ein Mann über das Feld. „Das ist der Teuschler", sagt der Archäolog, „ihm habe ich eigentlich alles zu verdanken." Johann Teuschler ist Invalider seit dem Krieg, ein kleiner Taglöhner, wie es im Burgenland viele gibt. Seine einzige Freude ist ein kleiner Garten mit Bienenstöcken. Früher war das Anwesen durch eine große Mauer abgesperrt, die der Graf Esterhazy errichten ließ. Nun ist die Mauer durchbrochen. „Wir haben den Grund vor ein paar Jahren von der USIA  --- Anmerkung -Wenn USIA unbekannt in Wikipedia gut dokumentiert ---   bekommen", erzählt er. „Wenn die nicht war, hätten viele Leute im Ort noch keinen Garten oder Felder."

Oft schon fanden die Bauern Tonscherben beim Pflügen in ihren von großen Steinen durchsetzten Aeckern. dass aber so viele Steine Grabplatten sind, hat Teuschler entdeckt. Er hat auch Dr. Ohrenberger 1950 die ersten aufschlussreichen Funde gebracht, Bronzegeräte und eine gut erhaltene Urne, die neben einem Skelett lag. Nun leitet er die Erdarbeiten. Am liebsten geht er jedoch mit einem eigenartigen Gerät über das Feld. Es ist ein kleiner Spaten, mit einem langen, spitzen Eisenstück, mit dem er immer wieder in den Boden sticht „Ich höre gleich", sagt er, „wenn der Stift auf Knochen oder Gefäße stößt. An solchen Stellen ziehen die Arbeiter dann schmale Gräben."

So auch wieder in den letzten Tagen, als eine Schaufel klirrend auf ein Tonstück stieß: im Graben zeigte sich der Oberrand einer von der Erde zusammengedrückten Urne, auf deren Öffnung noch der Verschlussstein lag. Dr. Ohrenberger ordnete sogleich an, um diese Stelle ein großes Geviert freizulegen. Immer neue Gefäßränder zeigten sich, deren Umrisse Teuschler mit einem Spezialmesserchen herausschälte. Es war ein illyrisches Brandschüttungsgrab

Johann Teuschler bei der Arbeit

Der Arbeiter Johann Teuschler aus Loretto bei der Ausgrabung

aus der Zeit zwischen 800 bis 400 vor unserer Zeitrechnung (die Menschen jener Zeit hoben eine Grube aus, stellten Gefäße mit Speise für den Toten hinein, der vorher verbrannt worden war und dessen Asche über die Gefäße gestreut wurde). Auch rote und gelbe Ockerstückchen, wie man sie immer wieder in solchen Gräbern antrifft, fanden sich. Gleich nebenan gab es aber auch Gräber des keltischen Eroberervolkes, in denen man die seltsame Entdeckung machte, dass die Leichen sichtlich zerstückelt worden waren. Bei. höhergestellten Personen, die man als solche aus den reichen Beigaben und besseren Waffen erkennen kann, war nur der Kopf vom Rumpf getrennt, während andere Skelette vollkommen ungeordnet in der Erde lagen. Einer der Toten war riesengroß, mehr als zwei Meter. Neben ihm lagen ein Speer und ein langes Schwert; an den langen Knochenarmen trug er eiserne und bronzene Reifen. „Fast unter jedem der Kelten Skelette", sagt der Archäologe, „liegt ein illyrisches Grab. Zweifellos wollten die Eroberer damit ihren Triumph noch über den Tod hinaus kenn­zeichnen." Die Erde ist ein großes Geschichtsbuch. Daß in Loretto auch die Römer siedelten, kann man am Hang unterhalb des Weges erkennen. In der Nähe, bei Leithaprodersdorf, unter dem man das römische Mutenum vermutet, verlief die Römerstraße von Scarbantum (Oedenburg) nach Vindobona. Beim Campingplatz des Archäologen befinden sich Wohngruben aus der jüngeren Steinzeit. Auch hier war es wieder Teuschler, der die ersten Funde machte: Messerchen und Pfeilspitzen aus Feuerstein.

Groß war die Überraschung, als man unter schweren Steinen auch Skelette in Hockstellung fand. Der Form der beigegebenen Gefäße nach gehören sie der Zeit der „Glockenbecher-Kultur" an, einem noch rätselhaften Abschnitt der Menschheitsgeschichte vor mehr als viertausend Jahren. Welche Überraschungen noch die Spaten erschließen werden, ist nicht abzusehen.

„Wenn es viele Menschen wie Teuschler geben würde", meint Dr. Ohrenberger, „wäre damit der Heimatforschung sehr gedient." Vor einiger Zeit unternahm der Gelehrte eine Reise durch das südliche Burgenland, um die Bevölkerung über die Bedeutung von Bodenfunden aufzuklären. In Deutschkreutz machte man ihn auf eine Höhle aufmerksam. Es stellte sich heraus, dass es ein sogenannter „Erdstall", eine Zufluchtsstätte aus dem Mittelalter, war, und in Nikitsch war es der Gastwirt Haas, der in der Riede Zirnik Funde machte, die von der Steinzeit bis in die Römerzeit reichen. Er hat sie dem Landesmuseum und der Schulsammlung übergeben.

Es hat sich in diesen Fällen gezeigt, dass es, wie in Loretto den Arbeiter Johann Teuschler, überall einfache Menschen gibt, die sich für die Geschichte ihrer Heimat interessieren und der Wissenschaft wertvolle Dienste leisten.

Wie man den Weg zu diesen Menschen findet, haben die Gelehrten des Niederösterreichischen Landesmuseums schon öfter und jetzt auch der junge Eisenstädter Gelehrte Doktor Ohrenberger bewiesen.  p e r t


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Ausgrabungsfoto

Ausgrabungsfoto aus den 1950iger Jahren Ausgrabungsfoto aus den 1950iger Jahren Ausgrabungsfoto aus den 1950iger Jahren Ausgrabungsfoto aus den 1950iger Jahren Ausgrabungsfoto aus den 1950iger Jahren Ausgrabungsfoto aus den 1950iger Jahren Ausgrabungsfoto aus den 1950iger Jahren Ausgrabungsfoto aus den 1950iger Jahren Ausgrabungsfoto aus den 1950iger Jahren

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Loretto Fundgrube der Vorgeschichte

Zeitungsartikel von Oktober 1953

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Der Zeitungsbericht wurde von Franziska Schlauer geb. Teuschler zur Verfügung gestellt.

Das burgenländische Landesmuseum hat kürzlich bei Loretto wieder umfangreiche Ausgrabungen durchgeführt. Man darf bereits feststellen, daß dieser Ort zu einem Angelpunkt der vorrömischen Archäologie geworden ist, da nirgends sonst in Oesterreich derart umfangreiche Fundstätten erschlossen wurden.

Schwer bewaffnet mit Lanzen und Schwertern

Die Funde begannen mit einer Anzahl illyrischer Brandbestattungen aus der Zeit 800 bis 400 v. Chr. Neben einer Reihe ärmlicher Bestattungen fand man ein Grab, das eine Ausdehnung von etwa vier mal sechs Meter hatte und ungefähr 60 Beigaben enthielt, unter ihnen 14 sogenannte „Kegelhalsurnen", riesige, etwa 80 Zentimeter hohe Tongefäße. Sie wurden wahrscheinlich als Lebensmittelbehälter verwendet. Außerdem fanden sich Bronzenadeln, Eisengeräte und zahlreiche durchbohrte Mittelfußknochen verschiedener Tiere, die offenbar religiöse Bedeutung hatten.

Außerdem kamen Skelettgräber zum Vorschein, die vermutlich zwei aufeinanderfolgenden Zeitabschnitten angehören. In der ersten Gruppe fanden sich noch Keramik beigaben, die starken Anklang an die Formen der illyrischen Hallstattkultur zeigen, aber durch das Eisengerät schon in die keltische La-Tene-Zeit eingereiht werden müssen. Die Bestatteten sind schwer bewaffnet mit Lanzen und Eisenschwertern. Man muß also annehmen, daß diese Leute einem Stamm angehörten, der kurz vor der keltischen Eroberung, die von Westen her erfolgte, aus dem ungarischen Raum eingedrungen war.

Riesen lagen in den Gräbern

Die zweite Gruppe der für Loretto neuen Funde umfaßte einwandfrei keltische Gräber, da die Tongefäße auf der Drehscheibe hergestellt wurden. Es fanden sich u. a. Schwerter mit einer Klingenlänge von ungefähr 75 Zentimeter, Lanzen und schöne La-Tene-Fibeln. Auffallend, fast erschreckend wirkten die 1.85 bis 1.95 Zentimeter großen, zum Teil sehr gut erhaltenen Skelette, die nur 15 bis 25 Zentimeter unter der Erdoberfläche lagen. Ein Grab barg offenbar eine Persönlichkeit von hohem Rang. Der Tote lag unter einer Steindecke, die unter besonderer Spannung abgetragen wurde. Zur Seite dieses keltischen Kriegers, der eine Lebensgröße von mindestens zwei Meter gehabt haben muß, lagen zwei große, gut erhaltene Lanzenspitzen, am linken Oberarm trug er ein Bronzearmband, an der rechten Hüfte ein 80 Zentimeter langes Eisensch wert an einem Gehenk. Zu seinen Füßen standen zahlreiche schön geformte Gefäße.

Triumph noch im Tode

Besonders auffällig ist, daß fast alle Keltengräber unmittelbar über illyrischen Brandbestattung ein liegen. Das kann kein Zufall sein, der sich etwa aus der Weiter­benützung des alten illyrischen Begräbnisplatzes ergeben hätte, da die Gräber oft acht bis zehn Meter weit auseinanderliegen. Offenbar waren djäe illyrischen Gräber in der Keltenzeit noch gut erkennbar gewesen und die Kelten hatten in voller Absicht ihre Toten so bestattet, daß jeder von ihnen unmittelbar über einem illyrischen Grab lag, auch im Tod den Triumph der siegreichen Kelten über die Illyrer andeutend.

Gewissermaßen als „Draufgabe" zu diesen Funden wurde innerhalb des Begräbnisplatzes eine jungsteinzeitliche Siedlung der Lengyel-Kultur angetroffen. Die bei gegebenen Feuersteinklingen bestanden aus braunem Radiolarit, einer Gesteinsart, die in Oesterreich nicht vorkommt und deren Ursprungsort von den Geologen noch nicht bestimmt werden konnte. Auch ein stark zerstörtes, rund 5000 Jahre altes Skelett aus jener Zeit wurde gefunden.



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Funde bei den Loretto Grabungen

Zeitungsbericht Freies Burgenland

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Aufsehende Funde bei Grabung in Loretto

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Der Zeitungsbericht wurde von Franziska Schlauer geb. Teuschler zur Verfügung gestellt.

Im Anschluß an das vorjährige Grabungs­gebiet hat das Landesmuseum in der Zeit vom 7. September bis 9. Oktober bei Loretto wieder umfangreiche Ausgrabungen durch­geführt. Obwohl man von vornherein mit guten Ergebnissen rechnete, wurden die Er­wartungen weit übertroffen und man darf bereits feststellen, daß Loretto durch seine reichhaltigen Funde zu einem

Angelpunkt der vorrömischen Archäologie

geworden ist, da seit Jahrzehnten an keinem anderen Punkt Oesterreichs derart umfang­reiche Fundstätten erschlossen wurden. Der Grabungsleiter Dr. Ohrenberger hat auch heuer das System befolgt, stets eine größere Zahl der Fundstätten zur Besichti­gung aufgedeckt zu lassen, so daß die Grabungsstätte wie ein Freilichtmuseum wirkte, dem von nah und fern Besucher zu­strömten. In der letzten Woche gab es täg­lich 500 bis 600 Besucher, darunter vor allem Schulklassen aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland.

Die Funde begannen mit einer Anzahl illyrischer Brandbestattungen aus der Zeit von 800 bis 400 v. Chr., so wie sie im Vorjahr freigelegt worden waren. Neben einer keine ärmlicher Bestattungen fand sich ein Grab, das eine Ausdehnung von etwa 4 mal 6 m hatte und ungefähr 60 Beigaben enthielt. Darunter befanden sich 14 so­genannte Kegelhalsurnen, das sind

riesige Tongefäße mit einer Höhe von ungefähr 80 cm.

Sie wurden wahrscheinlich als Lebensmittel­behälter verwendet. Außerdem fanden sich Bronzenadeln, Eisengeräte und zahlreiche durchbohrte Mittelfußknochen verschiedener Tiere, die offenbar religiöse Bedeutung hat­ten. Dieser Rückschluß ergibt sich daraus, daß in allen Gräbern der illyrischen Periode solche Knochen auftauchen, und zwar in der Anzahl von 1 bis 16.

Handelte es sich zunächst also nur um eine Erweiterung der vorjährigen Forschungs­ergebnisse, so ergaben sich bald weitere Funde, die, ihrer Art nach, für das Gräberfeld von Loretto neu waren. Es kamen nämlich Skelettgräber zum Vorschein, die vermutlich zwei verschiedenen aufeinander­folgenden Zeitabschnitten angehören. In der ersten Gruppe von Gräbern fanden sich noch Keramikbeigaben, die einen starken Anklang an die Formen der illyrischen Hallstatt-Kultur zeigen, aber durch das Eisengerät schon in die Keltische Latenezeit eingereiht werden müssen. Soweit Dr. Ohrenberger bisher fest­stellen konnte, ist diese lathenezeitliche Keramik in Oesterreich zum erstenmal auf­getaucht und hat vor allem Verbindungen zu Funden aus dem ungarischen Raum. Die Be­statteten sind

schwer bewaffnet mit Lanzen und Eisenschwertern.

Man muß annehmen, daß diese Deute einem Stamm angehörten, der kurz vor der kelti­schen Eroberung, die aus dem Westen erfolgte, aus dem ungarischen Raum eingedrungen waren und einige Jahre oder Jahrzehnte hindurch in einem vielleicht nicht sehr aus­gedehnten Teil des burgenländischen Raumes seine Herrschaft ausübte. Es muß in diesem Zusammenhang jedenfalls betont werden, daß endgültige Erklärungen niemals sofort gegeben werden können, da jede Gruppe von Funden ein genaues Studium von Einzelheiten und oft langwierige Vergleiche mit den Funden aus anderen Ländern erfordert. Die zweite Gruppe der für Loretto neuen Funde umfaßte Gräber, die einwand­frei keltisch sind. Der Beweis ergibt sich daraus, daß die

Tongefäße mit der Drehscheibe gearbeitet

sind. Es fanden sich Keltenschwerter mit einer Klingenlänge von ungefähr 75 cm, Lanzen und die schon bekannten schönen Latenefibeln. Auffallend und für die Besucher fast erschreckend wirkte die Größe der Skelette, 1,85 bis 1,95m, die zum größten Teil sehr gut erhalten waren. Sie lagen nur 15 bis 25 cm unter der Erdoberfläche, waren jedoch durch Steine gesichert, die entweder die Leiche umgaben oder über sie geschichtet waren.

Unter den Gräbern aus der Keltenzeit befand sich eines, in dem offenbar eine Persönlichkeit von besonderem Rang be­stattet war. Der Tote lag unter einer Stein­decke im Ausmaß von 3.20 mal 2.40 m, die an­gesichts der erwarteten besonderen Funde unter Spannung aller Beteiligten abgetragen wurde. Es fand sich das größte aller bisher aufgedeckten Skelette. Der keltische Krieger, der hier bestattet war, muß

eine Lebensgröße von gut 2 m

gehabt haben. Zu seiner Linken lagen zwei große, gut erhaltene Lanzenspitzen, auf dem linken Oberarm trug er ein Bronzearmband, an der rechten Hüfte sein 80 cm langes Eisenschwert, das an einem Schwertgehenk größere Anzahl schön geformter Gefäße.

Die keltischen Skelette lagen durchweg langgestreckt auf dem Rücken, mit dem Kopf nach Süden, mit den Füßen nach Norden, die Steinumwallung war in einem Fall fast quadratisch, in einem anderen Fall kreisförmig mit einem Durchmesser von fast 8 m. Es wurden auch Skelette von Frauen gefunden, deren eine in einer schön gelegten Steinkiste bestattet war und eine Bronze­halskette trug.

Besonders auffällig ist, daß fast alle Keltengräber unmittelbar über illyrischen Brandbestattungen liegen. Dies kann kein Zufall sein, der sich etwa bloß aus der Weiterbenützung des alten illyrischen Be­gräbnisplatzes ergeben hätte, da die Gräber oft 8 bis 10 m weit auseinander liegen. Offenbar waren die illyrischen Gräber in der Keltenzeit noch gut erkennbar gewesen und die Kelten hatten in voller Absicht ihre Toten so bestattet, daß jeder von ihnen un­mittelbar über einem illyrischen Grab zu liegen kam, auf diese Weise auch im Tod den Triumph der siegreichen Kelten über die Illyrer andeutend. Auch die weiblichen Keltenskelette wurden über illyrischen Be­stattungen aufgefunden. Aus der Reihe der Funde wären noch Perlen aus gelbem Glas­fluß mit blauen Augen zu erwähnen.

Gewissermaßen als Draufgabe zu den er­wähnten Funden aus drei Zeitabschnitten wurde noch

eine jungsteinzeitliche Siedlung

der Lengyel-Kultur innerhalb des Begräbnis­platzes angetroffen. Mit dem sonst gewohn­ten Inventar an Keramik, Feuersteinmessern usw. kam auch ein Bruchstück eines weib­lichen Idols als Kennzeichen jener Zeit zum Vorschein. Die Feuersteinklingen bestanden aus braunem Radiolarit, einer Gesteinsart, die in Oesterreich nicht vorkommt und deren Ursprungsort von den Geologen bisher noch nicht bestimmt werden konnte. Auch ein stark zerstörtes Skelett aus jener Zeit, rund. 5000 Jahre alt, wurde gefunden. Liegt die

überragende Bedeutung der Funde von Loretto

darin, daß sie sich in einer solchen Fülle über alle Kulturabschnitte mehrerer Jahrtausende erstrecken, so darf als bedeutsamstes Ergeb­nis der heurigen Grabung die Aufdeckung eines kurzen Zwischenabschnittes an der Wende der Illyrierzeit zur Keltenzeit be­zeichnet werden, in dem ein aus dem unga­rischen Raum gekommenes Volk am Leitha-gebirge wohnte. Nicht minder bedeutsam dürte aber die Tatsache sein, daß die kel­tischen Skelette sich in einem für Oesterreich sehr selten guten Erhaltungszustand be­finden. Bemerkenswert ist auch, daß die in abergläubischer Furcht vor einer Rückkehr der Toten bei den Kelten vorgenommene Leichenzerstücklung offenbar bei vornehmen Personen in geringerem Maße durchgeführt wurde. So ist bei dem Leichnam des erwähn­ten vornehmen Kriegers wohl auch der Kopf vom Rumpf getrennt, jedoch keine Verlage­rung der einzelnen Körperteile und Glied­maßen vorgenommen worden, während sonst die Knochen oft derartig verlagert erscheinen, daß man an eine völlige Zerfetzung und Zerreißung des Leichnams denken muß. Die gut erhaltenen Keltenskelette von Loretto bieten jedenfalls auch der anthropologischen Wissenschaft willkommenes Material.



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Die Toten von Loretto

Zeitungsbericht von Oktober 1954 von Helmut Nemec

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Der Zeitungsbericht wurde von Franziska Schlauer geb. Teuschler zur Verfügung gestellt.

Seit zwei Jahren lässt die burgenländische Landes Regierung bei Loretto, einem kleinen Ort am Nord Abhang des Leithagebirges. umfangreiche Grabungen durchführen, denn bisherige Ergebnisse haben gezeigt, dass weite Flächen in der Umgebung Loretto´s als eine riesige, vorgeschichtliche Begräbnisstätte anzusehen sind, in der stellenweise ein Grab neben dem anderen liegt.

Nach der Legende haben Engel das Geburtshaus Mariens über Länder und Meere getragen und es schließlich in Italien, in Loretto, abgesetzt. Dieses Loretto wurde zu einem vielbesuchten Wallfahrts Ort, und als im 17. Jahrhundert auch einer der Fürsten Esterhazy nach Loretto kam. war er so tief beeindruckt, dass er eine Nachbildung der Madonna von Loretto anfertigen und am Nordhang des Leithagebirges eine Kapelle errichten ließ.

Um diese Kapelle entstand das österreichische Loretto, ein Kloster und ein Dorf, das sich zu einem Wallfahrtszentrum aufschwang, welches noch im vorigen Jahrhundert jährlich von 100 000 Gläubigen aufgesucht wurde und damit seinerzeit sogar Mariazell in den Schatten stellte. Später verlor das österreichische Loretto seine Anziehungskraft, und heute erwacht der Ort nur noch zwei- oder dreimal im Jahr zu seiner ursprünglichen Bestimmung. Das Dorf steht noch, aber das Kloster wurde verlassen, einsam und traurig recken sich die Kantentürme der viel zu großen Kirche empor.

Wie still es darum geworden ist, das wurde mir so richtig klar, als ich mit dem Autobus von Wien über Himberg nach Loretto fuhr. Vor meinem Ziel hielt der Autobus noch einmal in Leithaprodersdorf, die wenigen Mitreisenden stiegen aus und ich allein blieb sitzen. Der Fahrer konnte es anscheinend nicht fassen, dass ich weiterfahren wollte, denn er rief noch einmal, zu mir gewendet: „Leithaprodersdorf!", fast so, als wollte er sagen: „Ende der Welt." Erst als ich unter beteuerndem Kopfnicken „Loretto" sagte, hatte es für ihn seine Richtigkeit, und wir fuhren weiter, den sanft geschwungenen Hügeln des „Gebirges" an der Leitha zu.

In Loretto hält der Autobus auf dem Platz vor der Kirche, der in seinen Ausdehnungen einstens vermutlich kaum genügte, all die Pilger zu fassen — heute liegt über seiner Leere, die nur ein paar Gänse und Ziegen beleben, jener Hauch von Schwermut, der Verlassenem, Verwaistem anhaftet. Aber Loretto hat in jüngster Zeit eine neue, freilich andere Bedeutung erhalten: Auf einem Feld von ungefähr 15 Meter Breite und 60 Meter Länge sind die Grabungsstellen, Löcher und Trichter in fruchtbarem Ackerboden, aus deren Grund ein paar Tontrümmer und Knochenstücke hervorstehen. Sonst fällt dem Laien eigentlich nichts auf — und doch sind hier bei Loretto Funde von so einmaliger Bedeutung gemacht worden, dass man in Fachkreisen bereits von einem Mekka der Vorgeschichts Forschung spricht. Die Ausgrabungen des burgenländischen Landesmuseums, die heuer zum dritten Male aufgenommen wurden, haben bisher gezeigt, dass sich hier eine Totenstadt befindet, deren Gräber zahl nach oberflächlichen Schätzungen mit ungefähr 3000 angegeben wird. Das Merk würdigste ist, dass hier knapp neben — ja, zum Teil sogar übereinander — Grab- und einstweilen noch rätselhafte Kultstellen aus verschiedenen vorrömischen Zeitperioden liegen. Der Leiter der Ausgrabungen, Doktor Ohrenberger, hat auch heuer wie der das System beibehalten, freigelegte Ausgrabungsstellen nicht so fort wieder zuzuschütten, sondern sie während der Ausgrabungsarbeiten offen zu lassen. So ist hier ein Freilandmuseum entstanden, das einen tiefen Einblick in die Geschichte dieses Landes bietet.

„Es war uns schon seit einiger Zeit klar, dass der Boden um Loretto viele für den Archäologen interessante Dinge birgt", erklärt Dr. Ohrenberger. „Immer wieder erzählten die Bauern, dass sie bei der Feldarbeit Münzen und andere Stücke fanden, die römischer Herkunft waren. Daneben stieß man beim Umackern häufig auf große Steine, von denen meistens mehrere, wie gefügt, beisammen lagen. Als wir dann 1952 mit den ersten Versuchsgrabungen begannen, erkannten wir schon nach kurzer Zeit, dass dieser Boden mehr barg, als wir uns je hätten träumen lassen. Dinge, die uns oft den Atem nahmen!" Am untersten Ende des Feldes stehen wir vor einem tieferen Schacht, in dem zwei Arbeiter mit Pinsel und Spachtel eben dabei sind, Knochenstücke freizulegen. „Für uns ist dieses Grab besonders interessant", erklärt Doktor Ohrenberger, „es stammt aus dem 3. Jahrtausend v. Chr., aus der frühen Bronzezeit also!"

Ein Stückchen weiter aufwärts lässt eine bereits völlig freigelegte Grube eine Gliederung in zwei Etagen erkennen. In der älteren, deren Boden und Wände wesentlich dunkler sind, liegen und stehen zahlreiche Tonfragmente, deren ursprüngliche Vasen- und Krugform man an einigen noch sehr gut erkennt, während in der oberen Etage deutlich sichtbar, ein gut erhaltenes, menschliches Skelett sich vom dunklen Boden abhebt.

„Sehen Sie, die Grube mit ihrem seltsamen In halt erzählt das Schicksal zweier Völker, berichtet von Leid und der Tragödie des Besiegten und dem hemmungslosen Triumph des Siegers. Ursprünglich siedelten am Leithagebirge illyrische Stämme, und die untere Etage birgt ein illyrisches Brandgrab. Dieses Volk verbrannte seine Toten und gab ihnen verschiedene Gebrauchs- und Schmuckstücke in das Grab mit. Die Tonstücke stammen von Kegelhalsurnen, die oft bis zu 80 Zentimeter hoch sind und dem Verstorbenen beigelegt wurden. Das war vor rund 2500 Jahren, denn die illyrischen Gräber hier stammen ungefähr aus den Jahren 800 bis 300 v. Chr. Um 400 v. Chr. drangen die Kelten in den Leitha Raum ein, wo sie die ansässigen friedlicheren Stämme unterwarfen und hart für sich arbeiten ließen. Selbst im Tod zeigten sie ihren Triumph, indem sie ihre Toten jeweils über einem illyrischen Grab beisetzten. So entstanden hier bei Loretto diese seltsamen Schichtgräber, wie Sie eines vor sich sehen, denn das Brandgrab unten ist illyrisch, während das Skelett oberhalb von einer keltischen Frau stammt. Dieses Übereinander der Gräber ist durchaus kein Einzelfall, sondern im Gegenteil, die Regel. Wo immer die Arbeiter auf ein keltisches Grab stoßen, ist damit zu rechnen, dass darunter auch ein illyrisches Brandgrab liegt."

In einem anderen Grabe liegt das Skelett eines keltischen Kriegers, der ein Hüne von gut zwei Meter Größe gewesen sein muss. Ein Schauer wilden Reckentums schwebt heute noch über seinem Gebein, das mehr als 2000 Jahre in der Erde ruhte. Schwert und Lanze, die Waffen, die er wahrscheinlich zu Lebzeiten gut zu gebrauchen verstanden hatte, gab man ihm ins Grab mit: links vom Skelett hat sich von der Lanze noch die eiserne

Spitze erhalten, während neben seiner rechten Hüfte das große Schwert samt der Scheide liegt. Es fällt mir auf, dass der Unterkiefer seltsam unnatürlich neben dem Kopf liegt „Ja, das ist eine Tatsache, die wir hier immer feststellen können", erklärt Dr. Ohrenberger, „wahrscheinlich glaubten die Kelten an eine Wiederkehr der Toten als Dämonen, wenn man sie nicht durch Verstümmeln daran hindere. Nur so ist es erklärlich, dass jedes der keltischen Skelette derartige Zertrümmerungen und Verlagerungen erkennen lässt. Übrigens sehen Sie gerade an dieser Grabstelle eine der wirklich einmaligen Merkwürdigkeiten, wie sie gerade für die Loretto Funde kennzeichnend sind: Die Gebeine der oberen, keltischen Schicht liegen nämlich der artig knapp unter der Erdkruste — oft nur 20 bis 30 cm —, dass man sich wirklich wundern muss, dass sie niemals verletzt oder zerstört wurden, wenn der Pflug des Bauern darüber hinwegging. Obwohl die Bauern meistens ganz genau die steinigen Teile ihrer Felder kannten — die Kelten breiteten nämlich über ihre Toten eine Steinlage —, haben sie diese doch nie entfernt, und so blieben uns eigentlich nur durch einen Zufall diese stummen Zeugen einer fernen Vergangenheit erhalten!"

Nachdem ich mich verabschiedet habe, setze ich mich vor Loretto noch einmal in den mageren Schatten eines ebenso mageren Strauches. Weit sieht man von hier, fast bis nach Wien hinein, sanft schwingt das Land in weiche Hügel aus, Bauern bestellen ihre Felder, und ihr Pflug geht über eine Totenstadt, deren Ausdehnung man einstweilen nur vermuten kann, denn dieser herbe Boden birgt noch so manches Rätsel in seinem Schoß …

Helmut Nemec.



Johann Teuschler Familie Katharina und Johann Teuschler im Keltengrab - Mittagessen ein Grab ein Grab

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